Ganzheitlich, innovativ und neu organisiert: Von NoWorries-Software bis Rent-a-cow
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Ganzheitlich, innovativ und neu organisiert: Von NoWorries-Software bis Rent-a-cow

Der Kunde im Mittelpunkt künftiger Geschäfte
Den Kunden und seine Lebenswelten als Ganzes sehen und daraus neue Geschäftsmodelle ableiten – Das war die Kernaussage des 8. Rheingauer Verlegertages, der am 27. September 2010 in Kloster Eberbach stattfand. Unter dem Motto „Märkte 2015 – Die entscheidenden Wege zum Kunden“ lieferte er spannende Einblicke in zahlreiche dieser ganzheitlichen und innovativen Geschäftsmodelle. Und er gab, so Karl-Heinz Behrens, Geschäftsführer der vertriebsunion meynen und Veranstalter des Verlegertages, damit auch den Blick frei auf eine sich schnell wandelnde Verlagswelt, die es mehr denn je nötig mache, die interne und externe Perspektive zu vernetzen. Und in deren Mittelpunkt mehr denn je der Kunde stehe. Ihn ernstzunehmen, ihm zuzuhören, die Geschäfte auf ihn auszurichten – Darüber werde in Zukunft der Wettbewerb stattfinden und nicht mehr über die Produkte.

Den Auftakt der Veranstaltung machte „Zukunftsforscher“ Carsten Hinze von der FutureManagementGroup mit seinem Blick nach vorne. „Verlage 2020 – Szenarien für die Zukunft“ überschrieb er seinen umfassenden Ritt durch die kommenden zehn Jahre. Neue Denkstrukturen beim Menschen, Knappheit von qualifizierten Arbeitskräften, Beschleunigung, zunehmende psychische Erkrankungen, aber auch wachsende Informatisierung, Internetisierung und die Plattform-Schlacht im Web würden diese kommende Welt kennzeichnen. Sein Credo: Nicht alles wird anders, aber wenn es anders werde, dann vor allem schneller. Die Erweiterung der Präsenz im Netz sei deshalb ebenso unerlässlich, wie die Positionierung im Wettbewerb um die besten Köpfe. Flexibilität im Denken und in der Organisation sowie Offenheit nach innen und außen seien die beste Basis.

Mit der Aussage „Print ist tot! – Na und?“ führte danach Masoud Kamali in eine erste neue innovative Geschäftswelt ein. „Online-Plattformen verkaufen Mehrwert“ lautete sein Vortrag. Und das sei auch die Strategie des Gründers von Software & Support Media, mit der er seit 15 Jahren sein Kerngeschäft der Vermittlung von Informationen und Weiterbildung erfolgreich vermarkte. Zu seinem Konzept gehören Konferenzen, Printprodukte, die „Content modellierende“ Software NoWorries und die Hardware IntelliBook, aber auch die Stiftung „Develop your Future“ mit dem Fokus auf Alleinerziehende und Migranten und ein gezieltes Investitionsmanagement. Kamalis Kernthesen: (1) IT-Manager wichtiger nehmen, (2) Fokussierung auf das eigene Können in der Vernetzung mit den Erwartungen der Kunden, (3) Investitionen in Mitarbeiter und Technik. Wichtig sei für ihn aber auch das Vermehren und das Loslassen, also ein Unternehmen durch Übernahmen erweitern, aber auch einmal verkaufen. Last but not least gehören für ihn das Eingehen von Partnerschaften und die Internationalisierung zum Erfolg.

Zwei andere Beispiele beschrieben danach Kristina Rühr von Gruner+Jahr (NEONauten Consulting) sowie der Gründer und Geschäftsführer von sofatutor.com Stephan Bayer. Rühr stellte die Lead User Online-Community www.dieNEONauten.de vor, in deren Rahmen „Anzeigenkunden zu Forschungspartnern der Verlage werden“. Ausgewählte Lead User des Magazins NEON (von Rühr als „eine aktive Gemeinschaft mit einem Wir-Gefühl und Seismographen des Marktes“ beschrieben) treffen darin auf die Forschungskompetenz der Unternehmen Gruner+Jahr und die Agentur STURMundDRANG. Durch Austausch, gemeinsames Arbeiten und Einblicke in authentische Lebenswelten entstünden so mittels Phänomenanalyse, Konsumreisen, Stimmungsbarometer, Innovationslabor und Konzeptwerkstatt neue Markenkonzepte. Gründer Bayer zeigte in seinem Vortrag „Erfolgreiche Produktionen und Monetarisierung von web 2.0-Inhalten“, wie er es mit sofatutor.com erreicht habe, zur größten interaktiven Video-Lernplattform im deutschsprachigen Raum zu werden. Die Herausforderung dabei: Aus Lesern Nutzer zu machen. Transparenz, Vertrauen schaffende Maßnahmen sowie Qualitätssicherung seien die Eckpunkte. Video-Vernetzungen per Kommentarfunktionen, Social Features wie beispielsweise Lerngruppen, gut durchdachtes, innovatives Marketing sowie Partnerschaften seien weitere wichtige Komponenten.

Nach diesen Best Practise-Beispielen lenkte zum Schluss Axel Bartholomäus von Bartholomäus & Cie in seinem Vortrag „Von der Frühwarnung zur Früherkennung“ noch einmal den Blick auf den Kunden und auf die künftigen Kernphilosophien der Einzigartigkeit und des Zuhörens. Seine Hauptforderung an die Verlage der Zukunft: Werdet einzigartig, da der Wettbewerb der Zukunft über innovative Geschäftsmodelle und nicht mehr über die Produkte stattfindet. Dazu müsse man zum einen den Kunden der Zukunft und seine Lebenswelten erfassen. Und zum anderen das bestehende Geschäftsmodell so umwandeln, dass strategische Lücken darin geschlossen werden und es ganz auf diesen Kunden ausgerichtet wird. Story-Listening sei dabei das Schlüsselwort, Zuhören, den Kunden ganzheitlich sehen, als Menschen mit eigenem Handeln, Denken und Fühlen. „Wertschätzung“ sei das Zauberwort. Beispiele für die erfolgreiche Umsetzung dieses Ansatzes geben „Smava“, ein Privatkreditgeber, der ohne Banken Gläubiger und Schuldner zusammenbringt, die Schweizer Alpwirtschaft mit ihrer Idee des Kuh-Leasings „rent-a-cow“ und www.blacksocks.com als Retter für die Männer und deren Sockenprobleme.