„Kein neues Medium hat bisher ein altes ersetzt!“ (09/2009)
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„Kein neues Medium hat bisher ein altes ersetzt!“ (09/2009)

Glaubt man einem 15jährigen Praktikanten bei Morgan Stanley als typischem Vertreter der sogenannten “Digital Natives”, dann  haben die alten wie die neuen Medien zunehmend Probleme in der Refinanzierung ihrer Angebote. Die heranwachsende Generation sei nicht bereit für Inhalte zu zahlen, wolle sich aber auch nicht durch Werbung beim Medienkonsum stören lassen. Belegen und unterstützen lässt sich diese Aussage mit einem aktuellen Video zum Medienkonsum eben dieser Digital Natives. Vier Jugendliche beziehen Stellung zu ihrer Mediennutzung.

Klares Statement der Generation der Info-Snaker: Am ehesten können sie auf Print verzichten. Wundert es dann, dass die Werbewirtschaft nach neuen Kommunikationskanälen sucht?

Der 7. Rheingauer Verlegertag, der am 28.09. im Kloster Eberbach stattfand, ging genau dieser Frage nach: Das klassische Printanzeigengeschäft leidet Not, aber auch das Onlinegeschäft mit seinen spezifischen Werbeformen ist schon abgestraft worden.
Mit Zeitschriften und  – in vielen Fällen – mit dem von Print abgeleiteten Online waren die Fachverlage bislang uneingeschränkte Mediatoren in der Businesslandschaft. Ihre mehr oder weniger starken Marken waren fest verankert in klaren und transparenten Zielgruppen. Sie standen für Kompetenz  und Kommunikationsstärke. Jetzt ersetzt die Community die Zielgruppe. News und Informationen kommen online daher. Orientierung bietet nun das Netzwerk! Die These: Klassisches auf Media basierendes Marketing ist am Ende!
Die Markenbildung erhält somit eine neue Ausrichtung. Inhaltliche Qualität wird transferiert über und auf weitere Medien wie Kongresse, Seminare, Web, Newsletter, Networks und Social-Networks, Mobile, Services und Corporate Publishing.

Hochkarätige Referenten präsentierten erstklassige Vorträge zu Themen wie Qualitätsjournalismus, neue digitale Geschäftsmodelle, Zielgruppen, Communities und Netzwerke.
Heike Findeis, MBE Business Excellence, plädierte überzeugend dafür, dass Fachzeitschriften auch in Zukunft Markenträger bleiben werden. Dazu bedürfe es aber eine Konsolidierung der Fachmedien und prozessstarke, flexible und dynamische Medienhäuser. Die Vernetzung der Medienhäuser untereinander als Spiegelung der vernetzten Informationswelt, so Findeis’ These, sei für den Umgang mit Communities unerlässlich. Auf starke Marken könne nicht verzichtet werden!

Interessant der Blick auf eine „sterbende“ Branche: „Wer nicht wirbt, stirbt“, so der Titel der Präsentation von Verlegerin Dr. Kerstin Gernig. Hier wurde deutlich, dass die Bestattungsbranche weit davon entfernt ist, dem klassischen Marketing den Rücken zu kehren. Dr. Gernig zeigte jedoch auch, dass Marketing sich von Regisseuren inszenieren lässt und warnt: wenn wir nicht aufpassen, gehen uns Inhalte verloren.

Über ein Produkt, das nur online existiert, berichtete Stefan Winterbauer, Korrespondent bei Meedia.de. Er zeigte auf, dass elementare journalistische Inhalte, Kompetenz und die Aufgeschlossenheit gegenüber Kooperationen Meedia.de attraktiv machen und postuliert, dass Medien dorthin gehen müssen, wo sich ihre Zielgruppen befinden – viele Wege seien dabei möglich. Sein Blick in die Zukunft: Erlösmodelle für digitale Angebote werden kommen.
Da stellte sich dem interessierten Zuhörer natürlich gleich die Frage, die auch in dem Vortrag bzw. Live-Webinar von Tjalf Nienaber aufgeworfen wurde, nach dem Aufspüren der Zielgruppen. Nienaber forderte die Verlagsgeschäftsführer und Verleger auf, am besten sofort eine eigene Community zu gründen. Aber wenn die eigenen Kunden nicht im Netz zu finden sind, welchen Sinn macht dann eine Community? Eine Frage, die im Raum stehen blieb.

Dennoch: Networks und Social-Networks als neue Vertriebskanäle müssen für die Medienbranche interessant sein, weil sie damit neue Nutzergruppen erreichen kann.
Facebook zeigt, wo die Reise hingeht. Ein erheblicher Teil der Netzwerkkommunikation bei Facebook besteht inhaltlich aus  Bilder, Videos und Textartikeln. Anhand des Netzwerkes  twitter zeigte Dr. Torsten Schwarz, ABSOLIT Dr. Schwarz Consulting, „eine Revolution im Business-Kommunikationsverhalten“. Er bezeichnete twitter als Sensor für aktuelle und wichtige Dinge. Zuhören, Dialoge führen, Reichweiten erhöhen: seine Strategien für den Umgang mit diese Medium. Twitter als neuer Kommunikationskanal für Unternehmen kann überdies gezieltes Online-Reputationsmanagement bedeuten.

Was haben nun die Vorträge und Diskussionen des Rheingauer Verlegertages gezeigt?  Die Zukunft der neuen Medien wird sich über die Qualität des Contents und seine Community-Präzision entscheiden. “Community Publishing ist eine Herausforderung, nicht nur für Corporate Publishing-Verlage”, so Michael Höflich vom Forum Corporate Publishing. Mit den neuen Kommunikationsformen wächst der Bedarf an Qualitätscontent rapide. Print und Online werden im Wandel von der analogen zur digitalen Welt parallel existieren, um die verschiedenen Bedürfnisse von Kunden und Mitarbeitern zu erfüllen.
Entscheidend wird nicht mehr die Frage danach sein, was der (Fach-)Verlag seinen Lesern/Nutzern im Sinne traditioneller Markenbildung zusätzlich anbietet, sondern in welche zusätzlichen Märkte er diversifiziert und mit welchen Services und Angeboten er seine Kompetenz zeigt.